Editorial
Aus der Amazon.de-Redaktion
Es gibt bestimmte Tools, die auf keinem Computer eines digitalen Künstlers fehlen sollten. Dazu gehört Painter von Corel, ehemals von MetaCreations. Painter ist eine außergewöhnliche, hervorragend gestaltete Anwendung -- kein anderes Grafikprogramm reicht in punkto Simulation natürlicher Medien an die Fähigkeit von Painter heran. Seien es nun Aquarellfarben oder Öl, Papier oder Leinwand, Kreide oder Kohle -- Painter ist das digitale Tool für virtuelle Medien. Sowohl für Künstler mit traditioneller Ausbildung als auch für jemanden, der einfach nur mit verschiedenen Medien wie Kohle, Öl oder Aquarellfarben experimentieren möchte, sollte Painter im Bereich des digitalen Zeichnens und Malens erste Wahl sein. Auf einem hinreichend schnellen PC oder Mac mit genügend Arbeitsspeicher (zum Beispiel ein 200 MHz-Prozessor mit mindestens 64 MB RAM für Painter), bietet das Programm Benutzerfreude pur.
Painter eignet sich jedoch nicht nur für das Zeichnen von Stillleben, sondern auch für die Animation. So unterstützt die Anwendung einzelne Dokumente, die aus zahlreichen (vom Benutzer festgelegten) Frames bestehen, wobei jeder Frame mit jedem beliebigen Painter-Werkzeug (Pinsel, Stift, Buntstift etc.) bearbeitet werden kann. Das Zwiebelhaut-Prinzip (Onion Skinning) stammt aus dem Bereich der Animation. Im Zusammenhang mit Painter versteht man darunter, dass Sie während der Bearbeitung eines Frames dessen vorausgehenden und nachfolgenden Frame in einer Art "Geistermodus" anzeigen können. Dadurch kann der Benutzer sehen, wo beim Zeichnen einer Bewegung bestimmte Linien platziert werden müssen, und basierend auf dem Verlauf der Frames die Bewegungsrichtung erkennen.
Die neueste Version des Programms, Painter 6, bietet viele neue Funktionen und einige wesentliche Verbesserungen. Besonders ins Auge springen dabei die neuen erweiterbaren Paletten. Die Entwickler haben sich der Fülle an Paletten entledigt, die bei früheren Versionen den Bildschirm übersäten. Stattdessen können alle Werkzeuge und Optionen nun über eine geringe Anzahl erweiterbarer Paletten aufgerufen werden, die zwar etwas konservativer wirken, dafür aber wesentlich weniger Platz in Anspruch nehmen. Obwohl es sich dabei im Grunde nur um eine relativ geringfügige Veränderung an der Benutzeroberfläche handelt, lässt diese das gesamte Programm wesentlich benutzerfreundlicher erscheinen.
Painter verwendet jetzt ebenfalls das "Ebenen"-Konzept und erleichtert somit Benutzern des Marktführers Photoshop den schnellen Umstieg auf Painter. Zudem kann sich der Benutzer nun beim Arbeiten mit Ebenen mehr von seiner Intuition leiten lassen, denn das Zeichnen auf Ebenen ist ab sofort für jede Pinselvariante Standardverhalten.
Painter 6 verfügt nun für einige Werkzeuge über Spezialpinsel, die zwar im Grunde genommen vektorbasiert sind, deren Pinselstrich nach der Ausführung jedoch unmittelbar in ein Bitmap-Bild umgewandelt wird. Diese Pinsel reagieren besser, verfügen über ein ungemein gleichmäßiges Erscheinungsbild und wirken dennoch natürlich.
Die wichtigste neue Funktion sind jedoch die "Impasto-Pinsel". Der Begriff "Impasto" bezieht sich auf eine Maltechnik, bei der Farbe dick auf Leinwand aufgetragen wird. Dabei werden mit der Dicke der Farbschicht Licht- und Schatteneffekt erzeugt. Die Impasto-Pinsel von Painter wirken erstaunlich echt und lassen sich erfreulich leicht einsetzen.
Ein wichtiger Hinweis noch: Painter sollte möglichst zusammen mit einem Grafiktablett (wie beispielsweise Intuos von Wacom oder deren neueres Graphire-Grafiktablett) verwendet werden, denn ein druckempfindliches Grafiktablett holt das Beste aus den Pinseln von Painter heraus und lässt Sie noch natürlicher mit dem gesamten Programm umgehen. Die Verwendung einer Maus ist zwar möglich, stellt aber ein Handicap dar.
Bei aller Positivität: Painter 6 verfügt jedoch auch über einige wenige kleinere Fehler. So kann es beim Arbeiten mit dem Programm gelegentlich dazu kommen, dass die Anwendung nicht mehr reagiert. Im Test wurde sogar eine Datei nach einem Programmabsturz als beschädigt gemeldet und die Anwendung musste erneut installiert werden.
Trotz allem sollte Painter 6 zur Ausstattung eines jeden Künstlers gehören. Es ist zwar nicht so einfach zu erlernen wie Photoshop, die Freude an den Ergebnissen, die sich mit den Pinseln von Painter auf strukturiertem Papier erzielen lassen, sind jedoch den Lernaufwand wert.
Corel ist es zu danken, dass dieses einzigartige Programm hier nach den Umstrukturierungsmaßnahmen bei MetaCreations ein neues Heim gefunden hat und so nun auch weiterentwickelt wird. Auf neue Versionen von Painter kann man gespannt sein. --Mike Caputo